Focus Stacking mit Lightroom und Affinity Photo auf dem iPad

Mit dem iPad bist Du schon gut gerüstet, um Fotos mit verschiedenen Fokuspunkten mit Hilfe von Lightroom und Affinity Photo zu einem durchgängig scharfen Foto neu zusammenzusetzen. Am Ende des Tutorials kannst Du Übungsmaterial herunterladen, mit dem Du die Arbeitschritte nachvollziehen kannst.


Der Begriff Focus Stacking beschreibt eine Technik, in dem Fotos mit leicht verschobenen Fokuspunkten zusammengerechnet und so zu einem durchgängig scharfen Foto werden. Diese Technik wird häufig eingesetzt, um das Problem fehlender Tiefenschärfe zu umgehen. Besonders bei der Verwendung von langbrennweitigen Objektiven bei gleichzeitigen kurzen Abständen zum Motiv tritt dieses Problem auf.

Was ist eigentlich die Tiefenschärfe?

Die Schärfentiefe ist der Bereich zwischen Nah- und Fernpunkt, in dem das Objekt scharf abgebildet wird. Je weiter die Kamera von dem Objekt entfernt ist, desto größer ist dieser Bereich. Auch die Blende spielt eine gewichtige Rolle bei der Schärfentiefe. Je weiter diese geschlossen wird, desto größer wird der Bereich der Schärfentiefe.

Wenn wir als Beispiel ein 90 mm Objektiv nehmen, das in einem Abstand von 50 cm vor dem Objekt plaziert wird, dann beträgt die Schärfentiefe bei Blende 2.8 nur noch 2,1 mm. Das lässt sich mildern, indem die Blendenöffnung reduziert wird. Bei Blende 22 hätte man immerhin schon 12,4 mm. Allerdings sieht das Bokeh bei solchen Blendenwerten oft nicht mehr so schön aus und die Gefahr der Beugungsunschärfe steigt überproportional.

Mit dem iPad bist Du schon dafür schon perfekt ausgerüstet. In diesem Tutorial arbeite ich auf dem iPad mit dem Apple Pencil. Als Apps kommen Lightroom CC für das iPad und Affinity Photo zum Einsatz. Affinity Photo auf dem iPad bietet ungefähr denselben Funktionsumfang wie die Desktop-Variante, deswegen ist auch die Option der Fokuskombination verfügbar.

Was wollen wir erreichen?

Ich habe einen Oleander, den ich gerne aus der Nähe fotografieren wollte. Allerdings stellt sich da das Problem, der fehlenden Tiefenschärfe. Da ich mit dem Objektiv sehr nah an dem Oleander bin, beträgt die Tiefenschärfe nur wenige Millimeter, was für ein durchgängig scharfes Bild nicht ausreicht. Deswegen habe ich eine Fokusreihe aus 11 Fotos gemacht, die jeweils einen anderen Bereich fokussiert haben, um dieses Ergebnis zu erlangen.

Oleander

Überblick über den Workflow

In dem folgenden Video bekommst Du einen schnellen Überblick, was Du alles tun musst, um auf dem iPad Fotos mit verschiedenen Fokuspunkten zusammensetzen zu können. Tatsächlich sind es nur 5 Arbeitsschritte und es ist wirklich schnell erledigt.

1. Fotos auswählen

Nachdem Du die Fotos gemacht (siehe auch den Kasten “Wie erstelle ich eine Fokusreihe?”) und in Lightroom importiert hast, geht es ans Auswählen der Fotos. Natürlich kannst Du alle notwendigen Bearbeitungsschritte, die vorher nötig sind (z.B. Farbprofil anpassen, Weißabgleich, Zuschnitt,…) durchführen. Meine Empfehlung hier ist jedoch, das auf ein Mindestmaß zu reduzieren und auf die Post Production zu verschieben.

Wie erstelle ich eine Fokusreihe?

Eine Fokusreihe besteht aus mehreren Fotos, bei denen der fokussierte Bereich immer ein wenig verschoben wird. Um das zu erreichen gibt es drei Techniken, mit denen Du diese Herausforderung meistern kannst:

Bei der ersten Technik verwendest Du den manuellen Fokus und drehst immer ein klein wenig am Fokusrad des verwendeten Objektivs. Am besten gehst Du von oben links nach unten rechts durch das Foto und verschiebst den Fokuspunkt immer nur um wenige Millimeter.

Bei der zweiten Technik verwendest Du einen Makroschlitten. Auch hier verwendest du die manuelle Fokussierung Deiner Kamera. Aber anstatt, dass Du den Fokus am Objektiv änderst, verschiebst Du Deine Kamera mit Hilfe des Makroschlittens.

Eine dritte Technik sind interne Kamera-Apps. Manche Kameras bieten eine App, um eine Fokusreihe zu erstellen. Die kannst Du natürlich auch verwenden, wenn die App die Fotos auch einzeln im RAW-Format speichert.

2. Export für Affinity Photo als TIFF 16-bit

Für die Fokuskombination in Affinity Photo ist es notwendig, die einzelnen Fotos der Fokusreihe zu exportieren. Das TIFF-Format bietet sich hier an, da es die Bildqualität nicht verschlechtert. 16-bit wähle ich bei TIFFs immer, um keine Einschränkungen bei der Farbtiefe zu haben. Als Zielverzeichnis kannst Du jeden beliebiges Verzeichnis in der Dateien-App auf Deinem iPad wählen. Ich habe für so etwas ein Temp-Verzeichnis, dass ich auch regelmäßig aufräume, denn die Exporte brauchst Du später nicht mehr.

3. Neue Fokuskombination in Affinity Photo

Jetzt wird es langsam spannend. In Affinity Photo tapst Du oben rechts auf das +-Zeichen. In der Auswahl der möglichen Importe, Fotos, Projekte usw. findest Du auch die Option der Fokuskombination.

In dem darauffolgenden Dialog hast Du die Möglichkeit die Fotos aus der Dateien- oder Foto-App (1) zu laden. Die Auswahl kannst Du natürlich noch verfeinern, indem Du einzelne Fotos aus der Liste wieder entfernst. Mit einem Tap auf OK (2) wird dann die Fokuskombination aus den ausgewählten Fotos der Fokusreihe erzeugt. Das kann etwas dauern und hängt von der Power Deines iPads und die Anzahl der Fotos in der Fokusreihe ab.

4. Export zurück nach Lightroom

Die fertige Fokuskombination soll jetzt wieder zurück nach Lightroom, da wir dort die finale Bearbeitung machen wollen. Das geht sehr einfach, in dem Du das Foto exportierst. Das Ziel des Export ist jedoch nicht das Dateisystem oder die Foto-App sondern wir übergeben die Bilddaten direkt an Lightroom. So haben wir einen Arbeitsschritt gespart.

Export der Fokuskombination nach Lightroom

In dem Exportdialog, den Du unter dem Menüpunkt Dokument in der iPad App findest, wählst Du als Exportformat TIFF aus (1). Um keine Verluste der Farbtiefe zu erleiden, bietet sich hier die Vorgabe TIFF RGB 16-bit an (2). Damit Du das exportierte Foto, direkt in Lightroom bearbeiten kannst, ohne es manuell noch einmal zu importieren, verwendest Du am besten den Teilen-Dialog (3). Sobald Du Lightroom öffnest, siehst Du die erzeugte Fokuskombination als neues TIFF in Deiner Bibliothek.

5. Post-Processing in Lightroom

Nach der Pflicht kommt die Kür. Du kannst die erzeugte Fokuskombination noch weiter bearbeiten und Deinem Look’n’Feel entsprechend anpassen. Die exportieren Fotos der Fokusreihe kannst Du übrigens löschen, da die nicht mehr benötigt werden.

Übungsmaterial

In diesem Download findest Du die Fotos der Fokusreihe, die ich für dieses Tutorial verwendet habe. Damit kannst Du das Tutorial direkt für Dich ausprobieren.

Download “Übungsmaterial zum Tutorial Focus Stacking mit Lightroom und Affinity Photo auf dem iPad” Uebungsmaterial.zip – 74-mal heruntergeladen – 252 MB


Bist Du auch daran interessiert, wie Du Fokus Stacking mit Photoshop oder Helicon Focus machen kannst? Dann ist dieses Tutorial vielleicht etwas für dich.

Wie hat Dir dieses Tutorial gefallen? Hinterlass mir doch einen Kommentar, ob Du Focus Stacking schon verwendest und wie Deine Erfahrungen damit sind.