Sichere Fotos – Backup-Strategien, die wirklich funktionieren

Backups! Jeder weiß, dass man sie braucht, aber die wenigsten machen sie regelmäßig. In diesem Tutorial zeige ich Ihnen, wie Sie einfach und schnell Backups von Ihren Fotos machen und Ihre Backup-Strategie weiter ausbauen können. Die vorgestellten Vorgehensweisen eignen sich natürlich auch für die Ausweitung der Backups auf Ihr komplettes System.

Backups! Jeder weiß, dass man sie braucht, aber die wenigsten machen sie regelmäßig. In diesem Tutorial zeige ich Ihnen, wie Sie einfach und schnell Backups von Ihren Fotos machen und  Ihre Backup-Strategie weiter ausbauen können. Die vorgestellten Vorgehensweisen eignen sich natürlich auch für die Ausweitung der Backups auf Ihr komplettes System.

Halt! Was sind Backups und wofür brauche ich die überhaupt?

Backups sind – vereinfacht gesagt – Kopien der Dateien auf einem Computer. Für die tägliche Arbeit sind sie völlig wertlos. Erst im Fall eines Datenverlusts steigt ihr Wert ins Unermessliche.

Ein Datenverlust muss nicht immer ein Defekt der Festplatte sein. Nein, auch das versehentliche Löschen von Dateien mit anschließendem Leeren oder direktes Umgehen des Papierkorbs kann dazu führen.

Wenn es zu einem derartigem Datenverlust gekommen ist, kann man aus dem Backup alle oder nur die fehlenden Dateien zurückspielen. Dieser Vorgang nennt sich Restore.

Ein Backup zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass es mehrere Versionen einer Datei für einen bestimmten Zeitraum vorhält. So können Sie bei einem Restore wählen, welche Version zurückgespielt werden soll. Das löst das Problem, ein Dokument in einen alten Stand zurückzubringen, wenn dies manuell einen sehr großen Aufwand bedeuten würde.

Für Fotos muss man dieses Vorgehen überdenken. Programme, wie Lightroom oder Capture One, verändern die Fotos nicht, sondern speichern lediglich die Bearbeitungsschritte und wenden diese bei der Anzeige oder beim Export an. Hier braucht man keine unterschiedlichen Versionen eines Fotos, da diese eh immer gleich aussähen. Auf diese Überlegung gehe ich weiter unten etwas genauer ein.

Die Mutter aller Backups

Die einfachste Form eines Backups besteht aus dem manuellen Kopieren wichtiger Dateien auf einen externen Datenträger. Dies kann ein USB-Stick sein, eine Speicherkarte oder eine externe USB-Festplatte. Der offensichtliche Nachteil dieser Art von Backups ist, dass es manuell angestoßen werden muss.

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Manuelles Kopieren

Aus manuell wird automatisch

Die erste Verbesserung ist, diese Backups automatisch und regelmäßig durchzuführen. Unter Windows haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Arbeiten Sie jedoch mit MacOs, können Sie die integrierte Time Machine verwenden. Damit wird zwar das ganze System gesichert, jedoch ist es problemlos möglich, nur einzelne Dateien oder Verzeichnisse wiederherzustellen. Natürlich können Sie in den entsprechenden Backup-Programmen alle Verzeichnisse ausschließen außer den Foto-Verzeichnissen, allerdings fehlt Ihnen dann das Backup Ihres Rechners. Bei einem Komplettbackup Ihres Rechners sind die Fotos ebenfalls enthalten.  

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Time Machine

Lightroom bietet beim Import von Fotos an, die importierten Fotos an einen anderen Speicherort zusätzlich zu speichern. Das ist schon eine sehr gute Möglichkeit, Ihre Fotos zu sichern, allerdings verlangsamt sich der Import dabei deutlich.

Das alles ist schon recht gut. Aber dieses Verfahren hat noch einen Schwachpunkt. Sie müssen einen externen Datenträger angeschlossen haben, um ein Backup machen zu können. Verwenden Sie für Ihre USB-Geräte einen USB-Hub, können Sie versuchen, den externen Datenträger dort anzuschließen. Das scheitert bei USB-Festplatten allerdings oft daran, dass viele Hubs nicht genug Strom liefern können, auch wenn ein Y-Kabel verwendet wird.

Network Attached Storage (NAS)

Damit Sie das Einstöpseln externer Datenträger umgehen können, bietet sich eine NAS ( ) als Lösung an. Im Wesentlichen ist dies eine Festplatte mit einer einfachen Bedienoberfläche. Neben Speicherplatz bieten die meisten NAS auch Multimediadienste, wie Streaming von Filmen, Musik und Fotos, an.

Mit einer NAS können Sie Ihr Backup noch weiter vereinfachen. Das Backup wird dann nicht mehr auf einem externen Datenträger gesichert, sondern direkt auf der NAS. Die Daten werden über Ihr Netzwerk (WLAN oder LAN) übertragen. Das dauert zwar länger als über ein USB-Kabel, aber Backups werden im Hintergund erstellt und sind somit nicht zeitkritisch oder benötigen viele Systemressourcen. Sie können die Backups machen lassen, wenn Sie nicht an ihrem Rechner arbeiten.

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Synology Diskstation – eine Möglichkeit einer NAS

Speziell für die Apple-Welt gibt es noch den Ansatz einer TimeCapsule ( ). Das ist ein Mix aus Internet-Router und Festplatte. Ihr Apple-Device kann die Time Machine Backups automatisch dorthin sichern.

Backup Ihrer Fotos

Dieses Tutorial legt den Fokus auf das Backup Ihrer Fotos. Fotos sind sehr sicherungswürdig, da man diese – bei Datenverlust – nicht wieder herstellen kann. Aber aus welchen Bestandteilen setzen sich Ihre Fotos zusammen?

  • Die Originalfotos, die Sie  von Ihrer Speicherkarte auf Ihren Computer kopieren
  • Die bearbeiteten Fotos, die Sie z.B. aus Lightroom exportieren oder in Photoshop speichern
  • Die Kataloge/Datenbanken von Bildverwaltungsprogrammen wie Lightroom oder Capture One
  • Optionale Metadaten, wie z.B. XMP-Dateien, die die Bearbeitungen von Programmen wie Lightroom enthalten

Wie ich weiter oben ausgeführt habe, braucht man von bestimmten Dateien nicht mehrere Versionen, da sich diese niemals verändern. Verwenden Sie Lightroom, bleiben die Originalfotos immer unangetastet  und es reicht diese auf die NAS zu kopieren. Anders sieht es mit dem Katalog aus. Dieser aktualisiert sich bei fast jedem Klick, da jeder Bearbeitungsschritt dort gespeichert wird. Hier ist ein Backup mit vielen Versionen im Falle eines Datenverlusts sehr hilfreich. Manchmal bemerkt man solche Verluste nicht sofort, sondern erst einige Zeit später. In diesem Fall ist es optimal, auf Versionen des Katalogs zugreifen zu können, die bereits in der Vergangenheit gesichert wurden.

Der schlimmste Fall

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben Ihre Fotos auf Ihrem Laptop. Gesichert werden die Fotos und Katalogdateien auf einer NAS. Sie fahren in den Urlaub und lassen Ihren Laptop zu Hause – soll ja ganz schön sein, mal Zeit ohne Computer zu verbringen. Während Ihrer Urlaubszeit bricht leider ein Feuer in Ihrer Wohnung aus und Ihr Laptop und Ihre NAS werden Opfer der Flammen.

Das ist noch eine Schwachstelle in der Backup-Strategie. Sie müssen Ihre Daten auch extern sichern…zusätzlich. Warum zusätzlich? Weil Sie auf dieses Backup nur in Ausnahmefällen zugreifen müssen. Für das „normale“ Arbeiten mit Backups ist das lokale Netzwerk einfach besser geeignet, da es schnellere Datenübertragungen erlaubt.

Somit stehen Sie jetzt vor der Entscheidung, wohin die Daten extern gesichert werden können. Das Problem dabei ist, dass sehr große Datenmengen anfallen. Viele Fotosammlungen – wenn sie größtenteils aus RAWs bestehen – haben ein Volumen von mehreren hundert GigaByte. Amazon Drive bietet Prime-Kunden an, unbegrenzt Fotos hochzuladen. Dieses Angebot gilt nur für Fotoformate. Für die Katalogdateien, die auch einige GigaByte haben können, müssen Sie Speicherplatz zusätzlich erwerben, wenn Sie die freien 5 GB überschreiten. Allerdings liegen Ihre Dateien dann auf einem US-Server, bei dem Sie nicht wissen, wer Ihre Daten analysiert.
Ich verwende HiDrive von Strato. Dort bekommt man 1 TB Speicherplatz für 12,50 € monatlich (7,00 € für den Speicherplatz, 5,00 € für zusätzliche Übertragungsprotokolle).

Wie ich es mache

Zum Abschluss dieses Tutorials zeige ich Ihnen, wie ich die Backups bei mir mache. Das ist natürlich nicht 1:1 auf Ihre Situation übertragbar, aber gibt Ihnen den ein oder anderen Lösungsansatz.
Ich arbeite mit einem MacBook Pro und habe die Synology Diskstation DS213+ als NAS im Einsatz. Deswegen sind die Tools, die ich verwende MacOs-spezifisch, aber auch für Windows gibt es entsprechende Programme.

Time Machine Backups

Sobald ich mit meinem MacBook im heimischen WLAN eingeloggt bin, startet Time Machine stündlich und sichert neue und veränderte Daten auf der NAS. Dabei werden vom letzten Monat tägliche und von den Monaten davor wöchentliche Backups behalten. In diesem Backup sind alle Fotos (Original und exportiert) und meine Lightroom-Kataloge enthalten. Diese Backups verwende ich, wenn ich mal ein Foto versehentlich gelöscht habe und es zu spät bemerke. Einen kaputten Datenträger hatte ich bisher noch nicht…

Synchronisation der Fotos und Kataloge mit meiner NAS

Zusätzlich synchronisiere ich meine Fotos und Kataloge alle 2 Stunden mit meiner NAS. Somit habe ich diese Dateien sowohl auf meinem MacBook als auch auf der NAS. Dort sogar doppelt. Einmal im Time Machine Backup und einmal an einer anderen Stelle auf der NAS.
Warum ich das mache? Das Time Machine Backup hat sein eigenes Format und Struktur, wie die Dateien abgelegt sind. Es ist somit sehr schwierig, ohne die Time Machine selber einen Stand der Fotos zu ermitteln. Ich brauche allerdings ein oder mehrere definierte Verzeichnisse für den nächsten Schritt in meiner Backup-Strategie.
Ich habe in Lightroom einige Sammlungen, die früher mit Lightroom mobile synchronisiert wurden. Jetzt werden die Sammlungen ebenfalls auf die NAS kopiert und dort automatisch in die Photostation (einer App für die NAS, die Fotoalben bereitstellt, welche mit jedem Browser, Smartphone und Tablet angesehen werden können) und Plex (einem Multimediaserver für Musik, Fotos und Filme) integriert.

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Dateisynchronisation mit Sync Folders

Synchronisation mit HiDrive

HiDrive von Strato ist ein Cloudspeicher ähnlich wie Dropbox. Allerdings sind die Server in Deutschland angesiedelt und unterliegen somit dem strengeren deutschen Datenschutzrecht. Das war einer der Gründe, warum ich mich für dieses Angebot entschieden habe. Ein anderer Grund war die gute Integration von HiDrive mit der Synology Diskstation. Alle Fotos und Katalogdateien werden jede Nacht mit dem HiDrive-Server synchronisiert. Ich habe mich hier bewusst für eine Synchronisation entschieden, da ich ein Backup mit verschiedenen Versionen über die Zeit schon mit der Time Machine habe.

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HiDrive App auf der Synology Diskstation

Zusammenfassung meiner Backup-Strategie

Ich bin mit dem Stand meiner Backup-Strategie sehr zufrieden. Im allerschlimmsten Fall muss ich mir alle meine Fotos und Kataloge aus HiDrive auf eine neue NAS laden. Diesen Download mit einem neuen Rechner synchronisieren und habe dann den Stand vor der Katastrophe.

Aber auch kleinere Katastrophen sind abgesichert. Lösche ich Fotos und merke das erst, nachdem ich meine Papierkörbe geleert habe, hilft mir mein Time Machine Backup, welches ja Daten über 3-4 Wochen vorhält.

Backup – ist gar nicht so schwer

Sie sehen, Backups zu machen, ist gar nicht so schwer. Fangen Sie mit einer USB-Festplatte an und steigern Sie sich über die Zeit, bis Sie da angekommen sind, wo sie hin wollen. Vielleicht reicht es Ihnen, nur Ihre Fotos auf einer zweiten Festplatte zu haben, dann brauchen Sie sich natürlich keine NAS anzuschaffen.
Haben Sie aber schon eine, dann benutzen Sie diese für Ihre Backups. Das stört Ihren Rechner nicht sonderlich, erhöht aber Ihre Sicherheit vor Datenverlusten.
Wenn Sie jedoch ganz sicher gehen wollen, mieten sie sich Speicherplatz in der Cloud und synchronisieren Ihren wertvollen Datenbestand regelmäßig damit.
Sie haben damit wenig Aufwand. Initial muss natürlich alles eingerichtet werden, aber danach haben Sie keine Mühe mehr damit, da vieles nachts und  im Hintergrund passiert.

 

Posted by Thorsten Kamann

Thorsten ist der Gründer von PICTOR PHOTOGRAPHY. Er ist leidenschaftlicher Fotograf und an vielen Themen rund um die Fotografie interessiert. Er bietet neben Fotowalks auch Workshops und Unterstützung bei Fragen zur Fotografie, Social Media, Web an.

  1. Alles klasse beschrieben. Vielen Dank. Ich habe bisher nur die RAW’s auf einer externen Platte und die bearbeiteten in einem anderen Verzeichnis der Platte. An die Katalogdateien habe ich bisher nicht gedacht.

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