Metadaten in Lightroom besser bearbeiten

Metadaten zu Fotos zu verwalten ist ein wichtiger Schritt. In Lightroom ist das allerdings etwas umständlich gemacht. Dieses Tutorial zeigt Ihnen, wie Sie ihre eigene Ansicht zusammenstellen können.

Ich arbeite gerne mit Lightroom. Sehr gerne sogar. Allerdings gibt es das ein oder andere, was mich total nervt und was total umständlich zu bedienen ist. Zu diesen Dingen gehört die Verwaltung von Metadaten zu einem Foto. Wenn man ein Foto veröffentlichen will, ist es sinnvoll ein paar dieser Metadaten zu dem Foto einzutragen. Dazu gehören ein paar Copyright Informationen und vor allem der Titel. Ein Titel DSC-983736.jpg sieht nicht so gut aus wie Liebespaar auf einsamer Wiese.

Exif- und IPTC-Metadaten

Exif-Daten (Exchangeable Image File Format) sind die bekanntesten Metadaten. Jede Kamera und jedes Smartphone schreibt diese Daten. Beispiele für Exif-Daten sind Informationen über die Kamera, das verwendete Objektiv, Belichtungszeit, Brennweite, Blende. Exif ist ein Standardformat der Japan Electronic and Information Technology Industries Association (JEITA). (Wikipedia)

Der IPTC-IIM-Standard (oft kurz nur IPTC; International Press Telecommunication Council) dient zur Speicherung von Metadaten in Bilddateien. Er wurde 1991 als Information Interchange Model (IIM) definiert. Im Gegensatz zu Exif-Daten sind IPTC grundsätzlich schreib- und änderbar. Typische IPTC-Daten sind Copyright-, Kontakt- und Kategorisierungsinformationen. Die Idee hinter diesem Format war eine Spezifikation für eine Datenübertragung in der Journalismus-Branche. (Wikipedia)

Im Bibliotheksmodul von Lightroom gibt es den Bereich für die Metadaten. Und es gibt eine Reihe vorgefertigter Metadatensätze, die eingeblendet werden können. Leider passen diese Metadatensätze nicht. Entweder werden zuviel Daten angezeigt oder es fehlen benötigte.

Zuviele-Metdaten

Zuviel Metadaten

Zum Glück gibt es Abhilfe. Lightroom ermöglicht es, eigene Metadatensätze anzulegen. Leider ist diese Funktion nicht in Lightroom integriert, sondern muss als Lightroom Zusatzmodul realisiert werden. Das klingt jetzt etwas nerdig, ist aber ganz einfach. Es werden auch nur zwei Dateien benötigt.

1. Schritt: Verzeichnis anlegen

Als erstes muss man ein Verzeichnis anlegen, das den Suffix .lrplugin oder .lrdevplugin hat. Wenn Sie einen Mac haben, ist .lrdevplugin die bessere Wahl, da dieser ansonsten das Verzeichnis als Paket erkennt und Sie nur noch mittels Rechtsklick und Paketinhalte ansehen die Inhalte einsehen können.

2. Schritt: Zusatzmodul erstellen

Lightroom-Zusatzmodule sind in der Scriptsprache LUA geschrieben. Für unser Zusatzmodul sind zum Glück keine Kenntnisse dieser Sprache notwendig. Sie brauchen lediglich ihren Lieblingstexteditor.

Jedes Zusatzmodul benötigt eine Info.lua. Öffnen Sie einen Texteditor Ihrer Wahl und kopieren Sie folgenden Inhalt dort hinein:

 return {
 
LrSdkVersion = 3.0,
LrSdkMinimumVersion = 1.3,
 
LrToolkitIdentifier = 'photography.pictor.plugin',
LrPluginName = LOC "$$$/PictorPhotography/PluginName=PICTOR PHOTOGRAPHY Plugin",
 
LrMetadataTagsetFactory = {
'CustomMetadataTagset.lua'
},
 
VERSION = { major=6, minor=2, revision=0, build=1029764, },
}

In Zeile 3 und 4 ist die benötigte Version definiert. In Zeile 6 geben Sie einen Identifier für Ihr Zusatzmodul ein. Für den weiteren Verlauf ist dieser Wert nicht wichtig. In Zeile 7 können Sie den Namen Ihres Zusatzmoduls eingeben. Der Name ist der Teil nach dem =-Zeichen. Dieser Name wird später im Lightroom Zusatzmodul-Manager angezeigt.

Am interessantesten sind die Zeilen 9–11. Hier wird eine sogenannte LrMetadataTagsetFactory definiert. Diese ist dafür verantwortlich, dass der Metadatensatz, den wir im nächsten Schritt erstellen, auch in Lightroom angezeigt wird. Hier können Sie beliebig viele solcher Sätze anlegen und den Dateinamen hier angeben. Sie können die Daten als Info.lua in dem eben erzeugten Verzeichnis speichern.

3. Schritt: Metadatensatz anlegen

In diesem Schritt wollen wir den eigentlichen Metadatensatz anlegen. Dies ist etwas komplizierter, aber nicht allzusehr. Erzeugen Sie mit Ihrem Texteditor eine neue Datei und fügen folgenden Inhalt dort ein:

return{
title = LOC "$$$/CustomMetadata/Tagset/Title=PICTOR PHOTOGRAPHY",
id = 'CustomMetadataTagset',
items = {
{'com.adobe.title', topLabel = true},
{ 'com.adobe.caption', height_in_lines = 5, allow_newlines = true, topLabel = true},
 
'com.adobe.separator',
{ 'com.adobe.label', label = LOC "$$$/Metadata/OrigLabel=Standard Metadata" },
'com.adobe.filename',
'com.adobe.copyname',
'com.adobe.folder',
'com.adobe.combinedImageFileDimensions',
 
'com.adobe.separator',
{ 
'com.adobe.label', 
label = LOC "$$$/Metadata/OrigLabel=Kategorisierung" 
},
{'com.adobe.category', height_in_lines = 1},
{'com.adobe.keywords', height_in_lines = 3},
'com.adobe.rating',
 
'com.adobe.separator',
{ 
'com.adobe.label', 
label = LOC "$$$/Metadata/OrigLabel=Exifs" 
},
'com.adobe.make',
'com.adobe.model',
'com.adobe.lens',
'com.adobe.ISOSpeedRating',
'com.adobe.focalLength',
'com.adobe.exposure',
 
'com.adobe.separator',
{ 
'com.adobe.label', 
label = LOC "$$$/Metadata/OrigLabel=Kontakt" 
},
'com.adobe.creator',
'com.adobe.creatorJobTitle',
'com.adobe.creatorAddress',
'com.adobe.creatorCity',
'com.adobe.creatorState',
'com.adobe.creatorZip',
'com.adobe.creatorCountry',
'com.adobe.creatorWorkPhone',
'com.adobe.creatorWorkEmail',
'com.adobe.creatorWorkWebsite',
'com.adobe.separator',
{ 
'com.adobe.label', 
label = LOC "$$$/Metadata/OrigLabel=Copyright" 
},
'com.adobe.copyright',
'com.adobe.rightsUsageTerms',
{'com.adobe.copyrightInfoURL', height_in_lines = 1}
}

Diese Datei hat etwas mehr Inhalt als die erste Datei und sieht etwas verwirrender aus. Aber nur auf den ersten Blick. In Zeile 9 können Sie diesem Metadatensatz einen Namen geben. Wie bei der vorherigen Datei ändern Sie einfach den Text nach dem =-Zeichen.

Ab Zeile 6 werden die einzelnen Metadaten definiert. Der erste Eintrag in Zeile 7 (com.adobe.label) ist eine Überschrift für eine Gruppe von Metadaten. Die nächsten 3 Zeilen definieren die Anzeige für Dateiname, Kopienname und Verzeichnis. Sämtliche Metadaten sind bei Adobe dokumentiert. Suchen Sie in Lightroom aus, welchen Metadatensatz Sie benötigen, übersetzen Sie den Begriff ins Englische und suchen Sie auf der Dokumentationsseite danach. Die Dokumentation können Sie sich bei Adobe downloaden. Diese entpacken Sie dann und öffnen die HTML-Seite SDK – Metadata tagset provider.html aus dem Verzeichnis API Reference/modules in dem Browser Ihrer Wahl. Alternativ können Sie sich eine solche Datei auch in Jeffrey’s Metadata-Viewer Preset Builder zusammenklicken.

Beispiel:
Sie wollen den Dateinamen anzeigen lassen. Da auf der Seite die Metadatenschlüssel alle auf Englisch sind, suchen sie am besten nach filename und finden den Schlüssel com.adobe.filename.

Bei Textfeldern (z.B. Beschreibung) können Sie noch angeben, wieviele Zeilen das Textfeld haben soll. Fügen Sie {} und height_in_lines=x hinzu:
 { ‘com.adobe.caption’, height_in_lines = 3 },
anstatt
‘com.adobe.caption’, 
ein.

Wollen Sie ein Trennlinie hinzufügen tragen Sie an die entsprechende Stelle ein ‘com.adobe.separator’ ein.

Nun können Sie die Datei als CustomMetadataTagset.lua speichern. Wollen Sie einen anderen Dateinamen, müssen Sie den Eintrag in der Info.lua in Zeile 10 entsprechend anpassen.

Im obigen Beispiel habe ich drei Metadaten aus dem 500px Plugin integriert. Wenn Sie 500px nicht nutzen, löschen Sie diese drei Zeilen.

4. Schritt: Zusatzmodul installieren und die Metadaten in Lightroom anzeigen

Das Zusatzmodul ist jetzt soweit schon fertig. Es muss nur noch in Lightroom installiert werden. Dafür wird der Zusatzmodul-Manager aufgerufen (File -> Zusatzmodul-Manager). In dem Dialog, der dann erscheint, kann man unten links das neue Zusatzmodul hinzufügen. Navigieren Sie zu dem im 1. Schritt erstellten Verzeichnis. Das Zusatzmodul wird daraufhin installiert, aktiviert und kann benutzt werden.

Wenn Sie jetzt die rechte Sidebar in Lightroom anzeigen lassen (wenn das nicht sowieso immer der Fall ist), sehen Sie in der Auswahlbox bei den Metadaten Ihren neu erstellten Metadatensatz. Wählen Sie diesen aus, erscheint ihr eigener Metadatensatz, der auf Sie zugeschnitten ist.

Letzter  – und freiwilliger  –  Schritt: Projekt aus GitHub laden

Ich habe das Zusatzmodul direkt auf GitHub veröffentlicht. GitHub ist ein Online-Repository für OpenSource-Projekte. Sie können das Zusatzmodul dort laden und nach Ihren Bedürfnissen anpassen.

Viel Spaß damit.

Posted by Thorsten Kamann

  1. Danke für die Anleitung, leider bekomme ich in LR die Meldung: „Dieses Zusatzmodul funktioniert nicht ordnungsgemäß und kann nicht verwendet werden“. Habe LR6 auf MacOS, eine Idee?

    Antworten

    1. Es gibt im Lightroom-Zusatzmodul-Manager bei Deinem Zusatzmodul die „Autorenwerkzeuge“. Da kann man auch Diagnosemeldungen in eine Datei schreiben. Wenn Du das machst, steht da was drin?

      Antworten

    2. Achja…und hast Du LR nach der Installation mal neu gestartet?

      Antworten

      1. Hallo, danke dir, der Fehler war, dass ich Textedit verwendet habe, der noch zusätzliche unsichtbare Formatierungszeichen erzeugt. Mit Textwrangler hat es dann problemlos geklappt 🙂

        Antworten

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