Münzen in neuem Licht – Dunkelfeld-Fotografie in der Praxis

Mit der Dunkelfeld-Fotografie kannst Du Prägungen, Kratzer, Macken in Münzen sichtbar machen. Wie Du das mit einfachsten Mitteln bewerkstelligen kannst, erfährst Du in diesem Artikel.

 

Mit der Dunkelfeld-Fotografie ist es möglich, Oberflächendetails, Prägungsstrukturen und Kratzer sichtbar zu machen. Das Licht wird dafür in einem so flachen Winkel auf das Objekt gerichtet, dass es das Objekt nur streift. Deswegen spricht man bei dieser Technik auch als Streiflicht.

Vorbereitung

DunkelfeldröhreGanz ohne Hilfsmittel geht es hier leider nicht. Du benötigst eine Dunkelfeldröhre, die Du Dir aber mit wenig Aufwand selbst basteln kannst. Du brauchst dafür:

  • Schwarze Bastelpappe
  • Weißes Kopierpapier
  • Klebestreifen

Damit baust Du Dir die Röhre, die einen etwas grösseren Durchmesser hat, wie Dein Objektiv inkl. der Sonnenschutzblende. An einem Ende klebst du einen Streifen des weißen Kopierpapiers so an die Röhre, dass ungefähr 1 cm des Papiers übersteht. Das ist der Bereich, durch den Licht auf das Objekt fällt bzw. es streift.

Das Fotosetup

Die Münze legst Du mittig der Dunkelfeldröhre. Den Blitz oder mehrere Blitze ordnest Du um die Röhre herum an, wie ich es in der Abbildung des Blitzsetups zeige. Achte darauf, die Blitze nicht zu nah an der Röhre zu positionieren, damit Du eine bessere Lichtverteilung erlangst. Die Kamera bzw. das Objektiv positioniert Du dann passend in der Röhre (siehe Abbildung Kamerasetup). Zum Fokussieren bietet es sich an eine starke Taschenlampe neben einen der Blitze zu legen, damit etwas Dauerlicht durch den Streifen Kopierpapier fällt und der Sensor etwas erkennen kann, was er scharf stellen soll. Etwas besser ist es manuell zu fokussieren, somit ist gewährleistet, dass die Kamera den Fokus für alle Fotos beibehält.

 

Die Belichtung

Jetzt bist Du schon soweit, dass Du in die Dunkelfeld-Fotografie einsteigen kannst. Am besten fokussierst Du manuell, damit stellst Du sicher, dass der Fokus auf jeden Fall beibehalten wird. Deine Blitze sollten entfesselt auslösbar sein. Ich habe gute Erfahrungen mit 1/8 – 1/32 der verfügbaren Blitzleistung gemacht. Das hängt aber davon ab, wie groß die Leitzahlen Deiner Blitze sind. Der Zoom der Blitze sollte möglichst weitwinklig eingestellt sein, der kleinste Wert ist ein guter Startpunkt dafür.

Um eine möglichst große Tiefenschärfe zu erlangen ist Blende 8 ein gute erste Wahl. Ich persönlich habe die Fotos hier alle mit Blende 11 gemacht. Das hängt aber stark vom jeweiligen Objektiv und der Entfernung zur Münze ab. Je näher das Objektiv an der Münze ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe und umso höher solltest Du den Blendenwert einstellen. Den ISO-Wert stellst Du dann so ein, dass Du mit einer Belichtungszeit von 1/100s oder 1/125s auskommst. Musst Du den ISO-Wert auf über 200 stellen, versuche fehlende Helligkeit mit mehr Blitzleistung zu kompensieren.

Die Nachbearbeitung

Viel zu Bearbeiten wirst Du bei diesen Motiven nicht haben. Im ersten Moment wirst Du überrascht sein, wieviele Macken und Kratzer so eine Münze haben kann. Die kannst Du aber relativ leicht entfernen, genauso wie die Fussel, die bei Makroaufnahmen zwangsläufig zu sehen sein werden. Entferne jedoch nicht zuviel, um den Charakter der Münze nicht zu verfremden. An der Belichtung kannst Du ebenfalls korrigieren, etwas mit der Helligkeit und dem Kontrast spielen. Hast Du die perfekte Blendeneinstellung gefunden, ist die Münze durchgängig scharf und benötigt höchstens etwas mehr Klarheit, um Details zu betonen. Für einen plastischeren Look bieten sich kleinere Korrekturen der Gradationskurve an.

 

Und nun viel Spass beim Ausprobieren

Wenn Du einmal geschafft hast, das Setup einzurichten und anzupassen, dann hast Du auch wenig Ausschuss. Allerdings gibt es auch Münzen, die sich einfach nicht dafür eignen. Wenn die Prägung zu flach sind, wirken diese Münzen überhaupt nicht.

Ich bin auf Deine Ergebnisse gespannt.

Posted by Thorsten Kamann

Thorsten ist der Gründer von PICTOR PHOTOGRAPHY. Er ist leidenschaftlicher Fotograf und an vielen Themen rund um die Fotografie interessiert. Er bietet neben Fotowalks auch Workshops und Unterstützung bei Fragen zur Fotografie, Social Media, Web an.

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